Reitsport: CHIO in Aachen
Neue Hoffnungsträger im deutschen Dressur-Team
Helen Langehanenberg und Kristina Sprehe
VideoDressurreiter fit für London
VideoDeutsche Springreiter geschlagen
Der Höhepunkt in Aachen
Der Grand-Prix in voller Länge
Das Olympia-Aufgebot
Bild: Janne-Friederike Meyer führt das deutsche Springreiterteam an
Springreiter:
Janne-Friederike Meyer mit Lambrasco, Christian Ahlmann mit Codex One, Marcus Ehning mit Plot Blue und Philipp Weishaupt mit Monte Bellini.
Vielseitigsreiter:
Michael Jung mit Sam oder Leopin, Sandra Auffarth mit Opgun Louvo, Dirk Schrade mit King Artus oder Hop and Skip, Ingrid Klimke mit Abraxxas und Peter Thomsen mit Barny. Reserve-Reiter: Andreas Dibowski mit Avedon.
Dressur:
Helen Langehanenberg mit Damon Hill, Kristina Sprehe mit Desperados und Dorothee Schneider mit Diva Royal. Einzelstarterin: Anabel Balkenhol mit Dablino
Deutschlands neue olympische Reiter
von Christiane MitsatelisAusfälle, Absagen, Versagen – es ging drunter und drüber beim CHIO in Aachen, der letzten Sichtung vor den Olympischen Spielen. Die Springreiter erwischte es hart, sie fahren mit dem letzten Aufgebot nach London. Nach dem Totilas-Ausfall wuchsen derweil drei Dressur-Reiterinnen über sich hinaus.Es war ein strahlendes Gruppenfoto: Kristina Sprehe (25), Helen Langehanenberg (30) und Dorothee Schneider (43) lächelten unter ihren schwarzen Zylindern um die Wette, als sie sich am Sonntagnachmittag in Aachen den Fotografen präsentierten. Die drei Dressurreiterinnen werden bei den Olympischen Spielen in London die deutsche Mannschaft bilden. „Die Mädchen sind klasse geritten“, sagte Bundestrainer Johnny Hilberath. „Und die Pferde sind in Topform.“Sie hatten die Gunst der Stunde genutzt, ihre Leistungen beim CHIO in Aachen waren so mitreißend, dass am Ende niemand mehr an Superstar Totilas dachte, der aufgrund der Erkrankung seines Reiters Matthias Rath auf die Olympia-Teilnahme verzichten muss.Neue Stars im ViereckDenn auch andere Hengste können begeistern: In der Kür siegte Langehanenberg mit dem zwölfjährigen Damon Hill (85,150) am Sonntag gewann sie knapp vor Sprehe mit dem ein Jahr jüngeren Desperados (84,700). Beide Reiterinnen erzielten dabei jeweils mehr Punkte als Rath bei seinem CHIO-Sieg mit Totilas vor einem Jahr (82,825). Den dritten Platz im deutschen Team erkämpfte sich Schneider mit der 10-jährigen Stute Diva Royal durch eine ebenfalls starke Kür, sie belegte Rang drei (81,100) – und war aus dem Häuschen vor Freude: „Ich muss aufpassen, dass ich vor Freude keine Schnapp-Atmung bekomme“, sagte die Wiesbadenerin, die Anabel Balkenhol hinter sich ließ, die in London mit Dablino nur im Einzel antreten wird.
Die für London nominierten Amazonen sind allesamt Olympia-Debütantinnen. Bei den Londoner Spielen werden zwar die starken Paare aus England und den Niederlanden am Start sein, die den CHIO ausgelassen haben. Doch das sei kein Problem, meinte Langehanenberg: „Wir sind ein junges, frisches Team und haben nichts zu verlieren.“ Ihr ist mit Damon Hill ein gewaltiger Leistungssprung gelungen, die größte Aufsteigerin der letzten Monate ist aber Kristina Sprehe mit Desperados.Sprehe, die Dressur-PrinzessinDie junge Reiterin, deren Vater ein Gestüt in Dinklage im Teutoburger Wald unterhält, gehört erst seit sieben Monaten zum deutschen A-Kader. Ihren Rapphengst reitet die BWL-Studentin, die von Jürgen Koschel trainiert wird, seit September 2010 – eine glückliche Kombination, wie die Ergebnisse zeigen.
Ihren internationalen Durchbruch schaffte Sprehe im März, als sie in Dortmund im Grand Prix Special siegte – und dabei die Engländerin und olympische Medaillen-Kandidatin Laura Bechtolsheimer hinter sich. Damit ihr Desperados nicht durch Hormonschübe aus der Ruhe gebracht wird, ist er seit Anfang des Jahres von seinen Pflichten als Deckhengst befreit. „Das war gut so“, sagte Sprehe. Ihr Pferd habe sich von Wettbewerb zu Wettbewerb gesteigert. „Ich hoffe, es geht so weiter.“Eine Frau und drei MännerAuch das Team der deutschen Springreiter steht. Neben Janne Friederike Meyer mit Lambrasco stehen Marcus Ehning (Plot Blue), Christian Ahlmann (Codex One) und Philipp Weishaupt (Monte Bellini) in der Olympia-Mannschaft, die Bundestrainer Otto Becker in Aachen nominierte. Er hatte es nicht leicht: Erst hatten ihm die Routiniers Ludger Beerbaum und Carsten-Otto Nagel wegen der Formschwäche ihre Pferde abgesagt – und dann fiel auch noch Marco Kutscher aus. Im Nationenpreis hatte sein zuvor zuverlässiger Hengst Cornet Obolensky plötzlich den Spaß am Springen verloren und sich einen Abwurf nach dem anderen geleistet. Für ihn kam Weishaupt ins Team.Die Springreiter werden es in London nicht schwer haben, besser abzuschneiden als 2008 – in Hongkong machten sie vor allem durch den Doping-Fall des inzwischen rehabilitierten Ahlmann Schlagzeilen. Anders sieht es bei den Dressureitern aus, sie gewannen seit 1976, mit Ausnahme der boykottierten Moskauer Spiele von 1980, immer Team-Gold.



